ESD-Wissen

Themenwelt Elektronikfertigung

ESD-Schutz in der THT-Montage

THT-Montage ist eine überwiegend manuelle Prozesskette mit vielen offenen Produktkontakten. Bauteilvorbereitung, Handbestückung, Lötrahmen und Vorrichtungen, Löttechnik, Beschnitt, Werkzeuge, Zwischenablage, Prüfung und Nacharbeit werden gemeinsam kontrolliert. Der Schutz darf zwischen den einzelnen Arbeitsschritten nicht verloren gehen.

THT als Prozesskette statt nur als Handarbeitsplatz betrachten

Der ESD-Schutz beginnt vor der eigentlichen Bestückung. Bauteile werden bereitgestellt, geformt und geschnitten, danach eingesetzt, fixiert, gelötet, beschnitten, geprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet. Jede Übergabe kann den Schutzstatus verändern.

Typische ESD-Kontrollpunkte in der THT-Montage
ProzessschrittTypische ESD-FrageSchwerpunkt
BauteilvorbereitungWie werden Anschlüsse beim Biegen, Schneiden und Sortieren geschützt?Werkzeug / Person / Ablage
HandbestückungSind Person, Tisch, Behälter und Baugruppe kontrolliert?EPA / Personenerdung
Lötrahmen / VorrichtungWelche Materialien berühren oder isolieren die Baugruppe?Material / Potentialausgleich
LötenSind Löttechnik, Absaugung und Zusatzgeräte freigegeben?Werkzeug / Erdung
BeschnittWie werden Zangen, Automaten und abgeschnittene Teile gehandhabt?Werkzeug / Produktkontakt
ZwischenablageBleibt die Baugruppe bis Test oder Rework geschützt?Materialfluss / WIP
NacharbeitWelche zusätzlichen Hilfsmittel kommen hinzu?Rework

Bauteilvorbereitung nicht aus der EPA-Logik ausklammern

Biegen, Schneiden, Sortieren, Vereinzeln und Zuführen können Anschlüsse und empfindliche Bauteile direkt betreffen. Vorbereitung erfolgt deshalb unter festgelegten ESD-Bedingungen und nicht erst ab dem Moment, in dem das Bauteil auf der Leiterplatte sitzt.

Handbestückung als System aus Person, Arbeitsplatz und Material führen

Personenerdung, Arbeitsfläche, Behälter, Werkzeuge, Kleidung und Baugruppe wirken zusammen. Eine bestandene Personentester-Prüfung ersetzt nicht die Kontrolle der Arbeitsfläche oder der eingesetzten Materialien.

Lötrahmen, Halter und Vorrichtungen qualifizieren

Vorrichtungen können leitfähig, ableitfähig oder isolierend wirken und Produktkontakte, Potentialausgleich oder Aufladung beeinflussen. Ihre Eignung wird für den tatsächlichen Einbau- und Nutzungszustand bewertet, einschließlich Verschleiß, Reinigung und Umbauten.

Löttechnik und Zusatzgeräte gemeinsam betrachten

Lötstation, Lötkolben, Selektiv- oder Wellenlötumgebung, Absaugung, Vorwärmung und weitere Hilfsgeräte werden dort bewertet, wo sie die offene Baugruppe oder deren Potential beeinflussen können. Elektrische Sicherheit und ESD-Funktion werden dabei nicht miteinander verwechselt.

Beschnitt und mechanische Bearbeitung kontrolliert ausführen

Zangen, Schneidgeräte, Bürsten und mechanische Bearbeitung bringen zusätzliche Kontakte und Materialien in den Prozess. Auch abgeschnittene Drähte, Ablagen und Reinigungsarbeiten dürfen keine improvisierten, unkontrollierten Nebenprozesse erzeugen.

Zwischenablage zwischen Löten, Test und Nacharbeit definieren

THT-Baugruppen liegen häufig zwischen Arbeitsschritten offen. WIP-Regale, Trays, Wagen oder Behälter werden deshalb als Teil des Materialflusses freigegeben; eine beliebige Ablage neben dem Arbeitsplatz ist kein definierter Schutzstatus.

Übergabe an Prüfung und Debugging vorbereiten

Nach Bestückung und Löten wechseln Baugruppen häufig zu Sichtprüfung, ICT, Funktionstest oder Debug. Der Schutzstatus bleibt bis zum definierten Prüfplatz erhalten; der Elektronikprüfungs-Guide bleibt Eigentümer der detaillierten Testlogik.

Nacharbeit nicht als Ausnahme außerhalb des Prozesses führen

Bauteiltausch, Nachlöten, Reinigung oder Reparatur bringen zusätzliche Werkzeuge und Hilfsmittel in den Ablauf. THT-seitige Nacharbeit wird deshalb sauber an den bestehenden Rework-Prozess übergeben.

Manuelle Vielfalt durch Standards und Change beherrschbar machen

THT-Prozesse variieren oft stärker zwischen Produkten und Mitarbeitenden als vollautomatische Linien. Deshalb werden wiederkehrende Arbeitsmittel, Vorrichtungen und Ablagen standardisiert und Produktwechsel, neue Werkzeuge oder Umbauten über den Change-Prozess bewertet.

  1. Bauteil- und Baugruppenweg von Vorbereitung bis Prüfung erfassen.
  2. offene ESDS-Zustände und manuelle Kontakte markieren.
  3. Personenerdung, Arbeitsplatz, Werkzeuge und Vorrichtungen gemeinsam bewerten.
  4. Löt-, Beschnitt- und Reinigungsprozesse einbeziehen.
  5. WIP- und Zwischenablagen festlegen.
  6. Übergabe an Test und Rework definieren.
  7. Änderungen an Werkzeugen, Vorrichtungen oder Ablauf erneut bewerten.

Praxisfall: Baugruppe wartet nach Handbestückung auf Lötprozess

Eine bestückte Leiterplatte wird nicht einfach auf einem Wagen zwischengeparkt. Stattdessen ist festgelegt, in welchem Tray oder Magazin sie offen innerhalb der EPA bewegt und wo sie bis zum Lötprozess gepuffert werden darf. Dadurch bleibt der Schutzstatus auch zwischen zwei manuellen Arbeitsschritten eindeutig.

Häufige Fragen zu THT-Montage

Quellen und weiterführende Dokumente

Fachlich geprüft

September 2026

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