Vier Anforderungsebenen getrennt dokumentieren
Für eine belastbare Compliance-Bewertung werden Rechtsvorgaben, technische Normen, vertragliche Kundenanforderungen und interne Unternehmensregeln getrennt erfasst. Erst danach wird geprüft, welche Ebene für Produkt, Standort und Prozess tatsächlich gilt.
| Quelle | Typische Form | Im ESD-System festhalten |
|---|---|---|
| Recht / Verwaltung | Gesetz, Verordnung, behördliche Vorgabe | konkreter Geltungsbereich und Pflicht |
| Norm / Standard | z. B. IEC 61340-5-1 oder ANSI/ESD S20.20 | Ausgabe, Scope und offizielle Quelle |
| Kunde / Vertrag | Bestellung, QSV, Zeichnung, Kundenspezifikation | verbindlich vereinbarte Ausgabe und Zusatzforderungen |
| Intern | Kontrollprogramm, Werksstandard, Arbeitsanweisung | eigene strengere oder ergänzende Regeln |
Kundenvorgabe wird erst durch den konkreten Bezug eindeutig
Eine allgemeine Aussage wie „nach IEC 61340“ ist für Beschaffung und Audit oft zu ungenau. In Bestellung oder Qualitätsvereinbarung sollten Dokumentnummer, Ausgabe, betroffener Prozess, erwartete Nachweise und Änderungsweg eindeutig sein. So lässt sich später unterscheiden, ob eine neue Normausgabe automatisch relevant ist oder erst vertraglich beziehungsweise intern übernommen werden muss.
Abweichende oder strengere Forderungen als Matrix führen
Fordert ein Kunde zusätzlich zu einer Norm eigene Grenz-, Prüf- oder Dokumentationsregeln, werden diese als separate Vertragsanforderungen geführt. Sie sollten nicht stillschweigend in die Norm hineininterpretiert werden. Bei widersprüchlichen Anforderungen braucht es eine dokumentierte technische und gegebenenfalls rechtliche Klärung.
- Vertrag, Bestellung, QSV und Kundenspezifikation vollständig erfassen.
- Referenzierte Norm oder Standardausgabe eindeutig bestimmen.
- Zusätzliche Kundenforderungen separat markieren.
- Abweichungen gegen das eigene ESD-Kontrollprogramm mappen.
- Unklare oder widersprüchliche Punkte vor Umsetzung freigeben lassen.
- Freigegebene Anforderungsmatrix in Lieferanten-, Prüf- und Dokumentenprozesse überführen.
Neue Normausgabe schreibt einen bestehenden Vertrag nicht automatisch um
Der Publikationsstatus einer Norm und der vertragliche Geltungsstand sind zwei verschiedene Dinge. Bei einem Normwechsel werden deshalb aktuelle Ausgabe, nationale Übernahme, vertraglich referenzierte Ausgabe, Kundenfreigabe und interne technische Umstellung getrennt bewertet.
Anforderungen kontrolliert an Lieferanten weitergeben
Wenn Kundenanforderungen in die Lieferkette weitergegeben werden müssen, sollte die eigene Lieferantenspezifikation exakt erkennen lassen, welche Forderung aus Norm, Kunde oder interner Regel stammt. Dadurch bleiben Änderungen und Abweichungen nachvollziehbar und Lieferanten müssen nicht aus allgemeinen Formulierungen erraten, was tatsächlich gefordert ist.
Praxisfall: Kunde nennt noch die ältere Normausgabe
Ein bestehender Qualitätsvertrag referenziert eine ältere IEC-61340-5-1-Ausgabe, während intern bereits die Ausgabe 2024 bewertet wird. Das Unternehmen dokumentiert beide Ebenen: vertraglich gilt zunächst die vereinbarte Ausgabe, intern wird der 2024er Gap-Check durchgeführt. Eine Umstellung des Kundenumfangs erfolgt erst nach geklärter Vertrags- beziehungsweise Freigabelogik.
Häufige Fragen zu Kunde vs. Norm
Quellen und weiterführende Dokumente
Fachlich geprüft
September 2026
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